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Die Nabaltec GmbH im oberpfälzischen Schwandorf ist 1995 aus dem traditionsreichen Nabwerk durch einen Management-Buy-Out entstanden. Das 1936 von der VAW Aluminium AG als Produktionsstandort für Aluminiumoxid gegründete Werk, produziert und entwickelt als Nabaltec GmbH heute hochwertige Spezialprodukte auf der Basis von Aluminiumhydroxid. Mit 260 Mitarbeitern erzielt Nabaltec einen Umsatz von ca. 50 Mio. Euro.
2. Controlling bei Nabaltec
2.1. Grundsätze
Die Firma Nabaltec verfügt über eine differenzierte Kosten-und Leistungsrechnung, die weitgehend den Gedanken der Grenzplankostenrechnung folgt. Es wird auf jegliche Proportionalisierung von Fixkosten verzichtet; Abweichungen werden durchgehend nur dort verrechnet und belastet, wo die Verantwortlichkeit dafür zu finden ist.
Dieses Rechnungssystem ist die Grundlage für die Steuerung des Unternehmens. Es liefert schnell und zuverlässig Informationen über Planungsergebnisse und Planabweichungen sowie die Erfolgswirksamkeit von Entscheidungen und Maßnahmen.
Auf dieser Grundlage baut ein das ganze Unternehmen umspannender Zielevereinbarungsprozess auf, der bis in die kleinsten Einheiten hinein mit differenzierten Zielvorgaben Verantwortlichkeiten definiert. Die Kosten-und Leistungsplanung unterstützt somit umfassend die Erreichung der Unternehmensziele. Zeitnahe Soll-Ist-Vergleiche geben Signale für aktuelle Handlungsbedarfe und fördern den Prozess der Führung durch Zielvereinbarung.
2.2. Planungsprozesse
Im Folgenden wird im Wesentlichen auf die Planungsprozesse bei Nabaltec eingegangen. Die Ist-Rechnung sowie die Ermittlung der Sollzahlen folgen der Rechenlogik der Planung, sodass diesbezüglich nur die ergänzenden Schritte beschrieben werden. Wo es sinnvoll erscheint, werden diese bereits im Rahmen der Darstellung der Planung behandelt.
2.2.1. Planung und Unternehmenssteuerung
Die EDV-gestützte Planung bei Nabaltec umfasst folgende Bereiche:
- Jahresplanung für Vertrieb, Produktion und Beschaffung,
- Kostenstellen,
- Kalkulation,
- Betriebsergebnis.
Diese Planungsbereiche bilden ein geschlossenes System.
A. Jahresplanung für Vertrieb, Produktion und Beschaffung
Ausgehend von den strategischen Zielen des Unternehmens werden bei Nabaltec jährlich detailliert operative Ziele festgelegt und Pläne erstellt. In diesen ausgeprägten Zielfindung- und Planungsprozess werden alle verantwortlichen Funktionsträger eingebunden.
Ausgangspunkt ist eine Vertriebsplanung durch die Außendienstmitarbeiter auf der Ebene Kunde-Artikel, bei der Mengen, Preise und Konditionen detailliert festgelegt werden. Die Planung kann dabei selbstverständlich auch auf höheren Ebenen erfolgen, wenn die Ebene Kunde - Artikel betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll oder deren Planungsaufwand dafür unökonomisch ist.
In einem " Bottom-up"-Prozess werden die erarbeiteten Pläne verdichtet und einer Abstimmung unterzogen.
Aus den kumulierten Planmengen werden durch Auflösung von Stücklisten und Arbeitspläne der Produktionsplan sowie der Beschaffungsplan abgeleitet. Dieser Prozess wird vollständig durch die Controlling-Software unterstützt.
Ein wichtiger Aspekt dieses Planungsschrittes ist die Überprüfung des aus der Planung resultierenden Kapazitätsbedarfes. Bei Engpässen erfolgt eine Rückkoppelung und Abstimmung mit den Entscheidungsträgern, bei der Kapazität und geplante Mengen in Übereinstimmung gebracht werden.
Das Ergebnis der "Bottom-up"-Planung wird dann mit den Unternehmenszielen - insbesondere dem Gewinnziel -abgeglichen. In einem "Top-Down"-Prozess werden eventuell erforderliche Änderungen in Kooperation mit den Bereichsverantwortlichen vorgenommen. Die zuständigen Mitarbeiter identifizieren sich so mit den Vorgabewerten aus der Planung und akzeptieren, dass auftretende Abweichungen ihrer Verantwortung zugerechnet werden.
Dieser Ansatz der Zielvereinbarung und der Übernahme von Verantwortung wird bis in die kleinsten operativen Einheiten durchgezogen. Für eine erfolgreiche Führung durch Zielvorgabe muss sichergestellt sein, dass die Auswirkungen auf die Unternehmensziele (hier vor allem den Gewinn) aller durch einen Verantwortlichen getroffenen Entscheidungen und Maßnahmen transparent und nachvollziehbar sind. Der Prozess bei Nabaltec berücksichtigt dies; die Erfahrung zeigt, dass alle verantwortlichen Mitarbeiter des Unternehmens ihre Zielverantwortung sehen, akzeptieren und leben.
Der Prozess der operativen Zielvereinbarung führt also zu einer hohen Akzeptanz aller Beteiligten. Er setzt aber auch eine durchdachte, systematische Planungsroutine voraus. Zur Unterstützung ist eine Software mit umfangreichen und flexiblen Planungsinstrumenten erforderlich, die insbesondere im Vertriebsbereich detaillierte Vorgaben erlaubt. Um die Komplexität dieser Aufgabenstellung zu beherrschen, sind wahlfreie Verdichtungen erforderlich sowie die Anbindung an Stücklisten und Arbeitspläne unabdingbar. Wichtig ist insbesondere, dass mehrere Sichten auf die Planzahlen (und später auch auf die Soll-und Istzahlen) möglich sind. Beispiele hierfür sind die Zusammenfassung nach Verkaufsgebieten, Außendienstmitarbeitern oder nach Produkt(ions)bereichen (Profit-Centern).
B. Kostenstellenplanung
Der aus der Vertriebsplanung abgeleitete Produktionsplan dient als Grundlage für die Kostenstellenplanung. Aus den Produktionsmengen werden die Bezugsgrößen der Kostenstellen abgeleitet und eine differenzierte Kostenstellenplanung inklusive aller Verrechnungen und Umlagen entwickelt.
Die Kostenarten werden in fixe und variable Bestandteile gesplittet. Diese Trennung wird auch in den Verrechnungen und Umlagen fortgeführt. Fixe Kosten werden nicht weiterbelastet.
Bei der Leistungsverrechnung zwischen einzelnen Controllingobjekten werden grundsätzlich nur leistungsabhängige Standards verwendet. Damit wird dem Grundsatz Rechnung getragen, dass nur in der Verantwortung des Empfängers liegende Kosten weiter belastet werden. Preis-, Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichungen aus vorgelagerten Bereichen werden nicht in die nachfolgenden Verantwortungsbereiche übertragen.
Auch bei der Integration in die Kostenträger-Stückrechnung (Kalkulation) sowie in das Betriebsergebnis wird bei Nabaltec eine Differenzierung nach Kostenarten und deren variablen und fixen Bestandteilen vorgenommen.
C. Plankalkulation
Für alle Produkte werden jährlich aus den Stücklisten und Arbeitspläne unter Verwendung der geplanten Beschaffungspreise und Kostensätze die Selbstkosten geplant. Insgesamt bedeutet dies, dass bei Nabaltec ca. 150 Artikel und 100 Verpackungen zu kalkulieren sind.
Bis zur Stufe der Herstellkosten erfolgt im Sinne der Grenzplankostenrechnung eine strikte Trennung in variable und fixe Kosten.
D. Betriebsergebnisrechnung
Die Ermittlung des Betriebsergebnisses ist das letzte Glied in der Kette des geschlossenen Werteflusses. Sie ist als mehrstufige Fixkostendeckungsrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren aufgebaut.
Ausgehend von den Umsätzen werden zunächst die produktvariablen Kosten saldiert. Nach Abzug der vertriebsbezogenen Kosten (Vertriebsergebnis) sowie der Fixkosten der Produktion und der Verwaltung sowie (im Ist) der entstandenen Abweichungen ergibt sich das Betriebsergebnis, das auf Grund des geschlossenen Werteflusses problemlos in das Ergebnis der Finanzbuchhaltung überleitbar ist.
2.3. Ist-Prozesse
Für alle Kostenstellen und Kostenträger wird monatlich ein Soll-Ist-Vergleich durchgeführt. Die Daten werden jeweils bis in das Betriebsergebnis durchgerechnet. Der Aufbau und die Rechenlogik entsprechen dabei den Ansätzen in der Planung.
Nach Abschluss eines Quartals wird eine jeweils Vorschaurechnung erstellt, die die Ist-Zahlen der abgelaufenen Monate mit den (korrigierten) Planwerten der Folgeperiode aggregiert und so eine aktuelle Prognose für den Jahreserfolg liefert.
2.4. Umsetzung der Grenzplankostenrechnung
Bei Nabaltec werden die Grundgedanken der Grenzplankostenrechnung von der Kostenartenrechnung bis hin zum Betriebsergebnis beachtet und umgesetzt. Am Anfang steht die durchgängige Trennung der Kosten in fixe und variable Bestandteile im Rahmen der Kostenartenrechnung.
Kostenartenrechnung:
Eine unternehmensspezifische Einordnung gilt für folgende Kostenarten:
Die (kalkulatorische) Abschreibung wird grundsätzlich zu den Fixkosten gerechnet; es findet keine Kostenspaltung statt.
Die Personalkosten im produktiven Bereich sind grundsätzlich variabel. Dieser Ansatz wird durch folgende Rechentechnik erreicht: Alle Kosten der produktiven Mitarbeiter werden auf einer zentralen Personal-Kostenstelle erfasst. Auf dieser Kostenstelle tragen die Personalkosten fixen Charakter. Von dort werden die Personalkosten über eine Verrechnung der geplanten (und auch der Ist-) Stunden und einen Planverrechnungssatz an die produktiven Kostenstellen weiter belastet. Diesen Systembruch mit der Grenzplankostenrechnung nimmt man bei Nabaltec in Kauf, da durch diese Verrechnungslogik eine direkte Kontrolle des Personaleinsatzes (Plan - Soll - Ist) einfach und anschaulich möglich wird.
Getrennt nach variablen und fixen Anteilen werden die Kostenarten Reparaturen und IV-Analytik geplant. Die zeitabhängigen Komponenten (z. B. die jährliche Wartung) werden als fix eingestuft, die laufzeitabhängigen Kosten (z. B. Verschleißreparaturen) als variabel.
Bei allen variablen Kostenarten beziehungsweise deren variablen Anteilen wird ein linearer Verlauf angenommen und in der Berechnung der Sollkosten verwendet. Insofern sind die Grenzkosten einer Einheit gleich den variablen Durchschnittskosten je Einheit. Auch die Verrechnung auf die Kostenträger erfolgt nur auf Basis der variablen Kosten (Grenzkosten).
Kalkulation:
In der Kalkulation wird das Material als Einzelkosten direkt dem Kostenträger belastet. Aus den Kostenstellen erfolgen Verrechnungen mit proportionalen Kostensätzen. Die erforderlichen Mengen werden aus den Stücklisten (Material) und den Arbeitspläne (Zeiten der Kostenstelle) entnommen. Im Rahmen der Plankalkulation wird dabei einmal jährlich während der Planungsperiode (bzw. auch bei Neueinführung eines Produktes im Laufe eines Jahres) der Standard-Verrechnungspreis eines jeden Produktes ermittelt. Für die Plankalkulation der Verpackungen wird identisch vorgegangen.
Es ist erforderlich, dass zum Zeitpunkt der Durchführung der Plankalkulation
- die aktualisierten Plan-Einsatzmengen für Material und Fertigungsleistungen,
- die gültigen Plankostensätze der Kostenstellen/Bezugsgrößen aus der Kostenstellenplanung,
- die gültigen Planpreise das Material-und Energieeinsatzes
zur Verfügung stehen.
Die Ergebnisse der Plankalkulation werden im Produktstamm hinterlegt.
Die in der Plankalkulation ermittelten Grenzherstellkosten bilden die Grundlage für die Ermittlung der variablen Einsatzkosten der abgesetzten Produkte in der Ergebnisplanung des Vertriebsbereichs. Damit wird eine klare Trennung der Ergebnisabweichungen zwischen dem Vertriebs- und Produktionsbereich möglich. Dies bedeutet, dass dem Vertriebsbereich jeweils nur die in der Plankalkulation ermittelten Werte belastet werden und zur Beurteilung des Vertriebsbereichs auch nur diese Kosten herangezogen werden. Alle produktionsbedingten Abweichungen werden separat davon ermittelt und der Verantwortlichkeit der entsprechenden Produktionsstellen zugerechnet. Diese Vorgehensweise spiegelt sich auch in der Betriebsergebnisrechnung wieder; die produktionsbedingten Abweichungen (Verbrauch, Verfahren, Preis) werden erst nach Ermittlung des "Vertriebsergebnisses" (Deckungsbeitrag II) in Ansatz gebracht. Voraussetzung ist, dass die Verrechnungspreise für jeweils eine Planungsperiode (1 Jahr) konstant gehalten werden.
Abweichungsermittlung:
Die Ermittlung der produktbezogenen, aus der Produktion resultierenden Abweichungen erfolgt bei Nabaltec im Rahmen einer retrograden Kostenträgerrechnung. Dies heißt, dass die Ist-Mengen (Materialmengen, Stunden, sonstige Bezugsgrößen) aus den produzierten Produktmengen rück gerechnet werden. Grundlage der retrograden Kostenträgerrechnung ist die aktuelle Plankalkulation der hergestellten Produkte. Die in der Plankalkulation die Produkte definierten Einzelkosten und variablen Gemeinkosten (bei Nabaltec als Standardgrenzherstellkosten bezeichnet) werden mit der Ist-Produktionsmenge multipliziert. Die so ermittelten variablen Sollkosten werden auf die betreffenden Kostenträger (Produkte, Verpackungen) verrechnet.
Für die darin enthaltenen Einzelkosten werden die Ist-Einzelkosten zu Planpreisen (Ist-Menge * Planpreis) berechnet und den Soll-Einzelkosten gegenübergestellt. Der Saldo dieser beiden Größen ergibt die Verbrauchsabweichungen. Auf Grund der retrograden Vorgehensweise kann derzeit die Verbrauchsabweichung nicht produktbezogen dargestellt werden. Es wird aber bereits an der Einrichtung eines BDE-Systems gearbeitet, dass in naher Zukunft Ist-Zeiten liefern soll und somit einen ersten Beitrag zur Verbesserung der Aussagekraft der Abweichungsrechnung leistet.
Die ermittelten Soll-Gemeinkosten werden gemäß der Standardkalkulation im Ist verrechnet. Eine Ausnahme bildet der Wechsel des Produktionsverfahrens (Fertigung auf ein anderes Aggregat als standardmäßig in den Arbeitsplänen vorgesehen). Aus den unterschiedlichen Verrechnungssätzen der betroffenen Kostenstellen resultiert eine Verfahrensabweichung.
Zuletzt ist noch die Preisabweichung zu ermitteln. Sie ist definiert als:
Ist-Menge * Ist-Preis - Ist-Menge * Plan-Preis
Diese Differenzen werden auf gesonderten Kostenstellen verbucht und zusammen mit der Verbrauchs- und Verfahrensabweichung in einer gesonderten Zeile der Betriebsergebnisrechnung ausgewiesen.
Betriebsergebnisrechnung:
Im ersten Teil der Ergebnisrechnung werden die Nettoerlöse (Bruttoerlöse inklusive Fracht und Verpackung abzüglich Provisionen, Skonti und Boni) den Plangrenzherstellkosten des Umsatzes im Plan und Ist gegenübergestellt. Als Ergebnis wird der Deckungsbeitrag I ausgewiesen. Von besonderer Bedeutung für die Unternehmensteuerung bei Nabaltec ist es, dass eine differenzierte Auflösung nach Kunden, Branchen, Ländern, Außendienstmitarbeitern Produktgruppen usw. sowie die Ermittlung der zugehörigen Abweichungen möglich ist. Weiterhin werden auch die Abweichungen bei den Konditionen und bei Sales-Mix-Abweichungen berechnet und ausgewiesen.
Im zweiten Teil der Ergebnisrechnung erfolgt die stufenweise Absetzung der Planfixkosten, beginnend mit den Bereichen Vertrieb und Anwendungstechnik. Da die Kostenstelle das niedrigste Strukturelement ist, muss bei deren Definition darauf geachtet werden, dass die zu bildenden Bereichsergebnisse (Profit-Center-Ergebnisse) entsprechend angesteuert werden können. In Ausnahmefällen ist eine Verteilung vorgesehen. Man erhält so den Deckungsbeitrag II, der das Vertriebsergebnis bei Nabaltec darstellt. An diesem Ergebnis müssen sich die Verantwortlichen des Vertriebs für ihre jeweiligen Zuständigkeitsbereich messen lassen.
Im dritten Teil der Ergebnisrechnung werden die Abweichungen der Einzelkosten verrechnet. Die Einzelkosten beziehen sich auf die kalkulierten Kostenträger, d. h. auf Produkte und Verpackungen. Die Verbrauchs-, Verfahrens- und Preisabweichungen werden in den entsprechenden Bereichsergebnissen ausgewiesen. Dies ergibt sich der Deckungsbeitrag III.
Im nächsten, 4. Schritt werden nun die Planfixkosten der Produktionskostenstellen (inklusive Hilfskostenstellen) sowie deren Abweichungen verrechnet. Auch diese Fixkosten können noch bereichsbezogen zugerechnet werden. Hilfsweise wird auch hier auf eine tabellarische Verteilung zurückgegriffen. Ergebnis ist der Deckungsbeitrag IV.
Die kalkulatorischen Zinsen für die Kapitalbindung im Anlage-und Umlaufvermögen der Geschäftsbereiche werden in der nächsten Stufe als Kapitaldienst saldiert. Die Zinsen werden auf das geplante Anlagevermögen sowie die Bestände an Roh-, Hilfs-und Betriebsstoffen sowie Halb-und Fertigprodukten und auf Forderungsbestände berechnet. Nach Abzug der Zinsen (Kapitaldienst) ergibt sich der Deckungsbeitrag V.
Im letzten Abschnitt werden die Planfixkosten der so genannten "Werksfixkostenstellen" sowie deren Abweichungen verrechnet. Hierzu zählen insbesondere die kaufmännischen Dienste, die Unternehmensentwicklung und die Geschäftsleitung. Für die Darstellung der Bereichsergebnisse wird eine Zurechnung nach Plan-Umsatzanteilen vorgenommen. Diese Aufteilung wird mit dem Argument begründet, dass geplante Umsätze entsprechende Strukturen in den produktfernen Kostenstellen benötigen.
3. Die Controlling-Software
3.1. Software-Umgebung
Seit dem Jahr 1995 wird in allen kaufmännischen Bereichen die ERP-Software Navision eingesetzt. Bis zum Jahr 2002 wurde Navision durch die Kostenrechnungssoftware von IDC ergänzt. Seit dem Frühjahr 2002 sind bei Nabaltec mehrere Bausteine der Controlling-Software "CNT - Contoller´s Navigation Tools" von macs Software GmbH und CC Controlling und Consulting AG installiert. Mit den CNT-Modulen wird die gesamte oben dargestellte Kosten- und Leistungsrechnung bei Nabaltec abgedeckt.
3.2. Module von CNT
CNT ist ein modular aufgebautes System von Controlling Tools. Bei Nabaltec sind folgende Module im Einsatz:
-Sales & Marketing Controlling (SMC)
Das SMC ist ein Tool zur professionellen Vertriebs- und Marketingplanung. Aufbauend auf frei definierbaren Produkt- und Kundenstrukturen unterstützt das SMC den Planungsprozess (z.B. Top-Down-/Bottom-Up-Planung, Mehrjahresplanung) im Absatzbereich und ermöglicht vielfältige Analysen (Forecasts, Simulationen, Deckungsbeitragsanalysen, ABC-Analysen usw.)
-Cost Center Controlling (CCC)
Das CCC umfasst die Kostenarten- und Kostenstellenrechnung. Es können alle gängigen Kostenrechnungsverfahren dargestellt werden, wie z.B. die Grenzplankostenrechnung. Die Planung wird durch die Integration aus anderen Modulen unterstützt und vereinfacht. Durch die Umwertung der Kosten (Preisänderungen etc.) oder die Simulation von neuen Kapazitäten lassen sich Szenarien schnell erstellen und analysieren.
-Product Costing (PRO)
Im PRO werden die Produktkosten kalkuliert und die Kapazitätsbedarfe sowie Materialverbräuche ermittelt. Eine Bewertung mit unterschiedlichen Kostensätzen (z.B. Plan, Ist, Simulation) ist möglich. Diese Daten können in die anderen Module übernommen und dort weiterverarbeitet werden. Beispielsweise können mit den Produktgrenz- oder -vollkosten im SMC Deckungsbeitragsrechnungen erstellt werden. Im CCC werden die Kapazitätsbedarfe zur Planung der Kostenstellen heran gezogen. Als Basis werden im PRO die Arbeitspläne und Stücklisten der Produkte erfasst. Eine Integration aus einem PPS-System ist möglich.
-Finance Controlling (FCO)
Der integrierte Planungsprozess liefert im Finanzbereich Informationen über Finanzbedarf, Liquidität, Planergebnisse (GuV) und Planbilanzen. Umsatz- und Kostenveränderungen in den anderen Modulen werden direkt übernommen und können in ihren Auswirkungen sofort beurteilt werden.
Weitere Module von CNT sind das Project Controlling (PRC), das Target Costing (TAC), das Activity Based Costing (ABC) und die Balanced Scorecard (BSC).
3.3. Systemumfang bei Nabaltec
Bei Nabaltec sind die Module SMC, CCC und PRO Einsatz. Im Jahr 2004 sollen diese Module und den Baustein FCO erweitert werden. Mit dem bislang eingesetzten Leistungsumfang werden die Kostenstellenrechnung, die Kalkulation und die differenzierte Betriebsergebnisrechnung vollständig abgebildet.
4. Einsatz der Controlling-Software
4.1. Einführung und Installation
Bei Nabaltec wurde gleichzeitig mit der Installation der Controlling-Software CNT eine Neuorganisation und Überarbeitung der Kosten-und Leistungsrechnung durchgeführt. Aus diesem Grund ist der Aufwand, der alleine auf die Einfügung der Software zurückzuführen ist, nur schwerer abschätzbar. Die gesamte Einführung wurde von zwei Mitarbeitern in ca. 4 Monaten mit Unterstützung des Herstellers (ungefähr 15 Beratertage) durchgezogen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass neben dem Tagesgeschäft auch die oben erwähnten konzeptionellen Änderungen abgearbeitet wurden. Insgesamt ist man bei Nabaltec der Meinung, dass die Einführung der CNT-Software für ein mittelständisches Unternehmen sehr gut machbar ist.
Ein wichtiger Schritt bei der Einführung eines neuen Softwaresystems ist die Erfassung der Stammdaten. CNT bietet die Möglichkeit, sämtliche Stammdaten über freie konfigurierbare Schnittstellen aus bestehenden (Vorgänger-)Systemen zu übernehmen. Bei Nabaltec wurden die Kostenarten (Konten), die gesamten Kundendaten sowie die Artikelstämme per Schnittstelle übernommen. Bei den Kostenstellen hat man sich für eine manuelle Erfassung entschieden, da durch die Änderungen in der Kostenrechnung der alte Stamm nur noch zu geringen Teilen aktuell war. Die für das Kalkulationsmodule erforderlichen Stücklisten und Arbeitspläne mussten manuell eingegeben werden, da zuvor keine EDV-mäßige Abbildungen dieser Daten existierte.
Bei der Installation wurde auch darauf geachtet, dass die Möglichkeiten des Zugriffs auf die Controlling-Software anwenderspezifisch geregelt wird. Neben dem Controller und seinen Mitarbeitern haben auch die Geschäftsleitung und die Mitarbeiter des Vertriebs Nutzungsrechte. Für alle Nutzer außerhalb des Controlling sind allerdings nur ausgewählte Zugriffs- und überwiegend Leserechte vorgesehen. Damit ist einerseits sichergestellt, dass Informationen schnell verfügbar sind und nicht den (langen) Weg über "das Papier" nehmen müssen. Andererseits können so ungewollte Änderungen im System ausgeschlossen werden.
Um den Benutzergruppen die Informationen zu liefern, die für ihre speziellen Entscheidungen relevant sind, wurden individuell gestaltete Auswertungen geschaffen. Diese können vom Nutzer in frei wählbaren Verdichtungsstufen am Bildschirm abgerufen werden. Ein Export nach Excel (CSV-Dateien) oder ein Ausdruck sind natürlich ebenso möglich. Die CNT-Software beinhaltet einen Reporting-Generator, mit dem modulübergreifend beliebige Daten in einem Bericht zusammengefasst und rechentechnisch verknüpft werden können.
4.2. Integration
Die CNT-Module werden bei Nabaltec voll integriert zum ERP-Programm Navision eingesetzt. Die Navision-Module Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft, Personal, Vertrieb und BDE liefern die erforderlichen Daten über Schnittstellen an CNT. Des weiteren werden über Excel manuelle Belege erzeugt und in CNT importiert. CNT verfügt hierzu über eine freie konfigurierbare Import-Schnittstelle, über die von Excel oder anderen Programmen erzeugte CSV-Dateien eingelesen werden können. Alternativ ist ein direkter Zugriff auf die Daten (ODBC) möglich. Die Verarbeitung dieser Importstapel kann manuell, d. h. sofort, zeitgesteuert oder permanent erfolgen.
Bei Nabaltec werden aus den Vorsystemen die üblichen Daten übernommen. Hierzu zählen:
- Finanzbuchhaltung - alle kostenrelevanten Buchungen
- Materialwirtschaft - Materialverbräuche nach Kostenstellen und Kostenträgern
- Vertrieb - Fakturadaten
- Personal - alle Personalkosten
- BDE - Kostenstellen-Zeiten (derzeit noch ohne Kostenträger-Bezug)
- Zeiten von Reparaturaufträgen
- zukünftig: Kostenträger-Zeiten - Excel - Belege für die Profitcenter-Verrechnung
Die Kostenträger-Zeiten werden derzeit noch retrograd aus dem produzierten Mengen und den Vorgabezeiten aus den Arbeitsplänen ermittelt.
4.3. Planung
Die oben dargestellten Controlling-Prozesse werden innerhalb der CNT-Module vollumfänglich abgebildet. Den Ausgangspunkt bildet die Planung der Absatzmengen im Modul SMC. Je nach gewünschtem Detaillierungsgrad wird bis auf die Ebene Artikel-Kunde geplant. Durch Verdichtung werden dann die geplanten Umsätze für jede interessierende Ebene gebildet und auf Zielkonformität geprüft.
Zur Prüfung der Fertigungskapazitäten werden die geplanten Umsätze im Mengeneinheiten ausgedrückt und auf Artikelebene kumuliert. Mittels Verknüpfung der geplanten Absatzmengen pro Artikel mit den Ausführungszeiten aus den Arbeitsplänen werden die erforderlichen Kapazitäten ermittelt. Diese werden den vorhandenen Kapazitäten unter Berücksichtigung eventueller Erweiterungsinvestitionen sowie von Ausweichkostenstellen gegenübergestellt. Bei auftretenden Engpässen können so bereits in der Planungsphase entsprechende Korrekturmaßnahmen beschlossen und eingeleitet werden.
Über die hinterlegten Stücklisten werden aus den geplanten Absatzmengen die erforderlichen Materialeinsätze berechnet und in die Beschaffungsplanung überführt.
Für alle Kostenstellen (ca. 220) wird eine detaillierte Planung auf Ebene der Kostenarten und unter Berücksichtigung der zu produzierenden Mengen erstellt. Die Ergebnisse dieser Planung dienen einerseits der Kostenkontrolle in den Kostenstellen, aber auch der Ermittlung der für die Kalkulation und die Betriebsergebnisrechnung erforderlichen Plankalkulationssätze.
Auf Basis der Plansätze aus der Kostenstellenrechnung und der geplanten Beschaffungspreise werden dann unter Verwendung der Stücklisten und Arbeitspläne im Kalkulationsmodul geplant Kalkulationen für alle Artikel und Verpackungen erstellt. Diese Plankalkulationen stellen dann die Grundlage für die Betriebsergebnisrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren sowohl im Plan als auch im Ist dar.
Den Abschluss bildet die Planung des Betriebsergebnisses. Hier werden die Daten der Vertriebsplanung, der Kostenstellenrechnung und der Plankalkulationen zusammengeführt. Der Aufbau entspricht dem weiter oben vorgestellten Schema. Insgesamt wird für drei Geschäftsbereiche und neuen Produktbereiche die Ergebnisrechnung über alle Deckungsbeitragsstufen durchgeführt.
Durch die vollständige Integration zwischen den einzelnen CNT-Modulen muss jeder Wert nur ein Mal geplant bzw. erfasst werden. So werden zum Beispiel die Absatzmengen im Modul SMC eingegeben und stehen damit allen anderen Modulen (z. B. der Kostenstellenrechnung und der Kalkulation) automatisch zur Verfügung. Durch die in die Software integrierte Struktur wird der Planungsablauf bei Nabaltec bestens unterstützt und für alle Beteiligten transparent.
4.4. Soll-Ist-Rechnung
Neben einer monatlichen Kontrolle wird nach Abschluss eines jeden Quartals eine Vorschaurechnung für das restliche Kalenderjahr erstellt. Hierbei wird die Möglichkeiten von CNT, beliebig viele Wertesystem parallel zu führen, genutzt. Der ursprünglichen Planung kann so eine dem jeweiligen Kenntnisstand angepasste Erwartungsrechnung gegenüber gestellt werden.
Die Ist-Mengen des Materialeinsatzes werden bei konfektionierter Ware exakt und bei loser Ware (Siloware) durch Ablesen ermittelt. Diese Verbrauchsmengen können den Kostenträgern exakt zugerechnet werden. Der Verbrauch an Verpackungsmaterialien kann den 9 Produktbereichen exakt zugeordnet werden. Für die Ebenen darunter muss für die Verpackungsmaterialien jedoch eine retrograde Rechnung durchgeführt werden.
Bezüglich der Kostenträger werden die Zeiten und damit die zurechenbaren variablen Kosten aus den Kostenstellen mittels retrograder Rechnung direkt im Programm ermittelt. Eine Zeitermittlung auf Kostenträgerebene ist bei Nabaltec in Vorbereitung. Für die einzelnen Produkte (Kostenträger) können damit in dieser Hinsicht keine Verbrauchsabweichungen bestimmt werden. Auf die Zurechnung von Preisabweichungen, die durch Abweichungen der Sollkosten von den Istkosten einer Kostenstellen und der damit verbundenen Abweichung im Verrechnungssatz entstünden, wird aus Gründen der Verantwortlichkeit ohnehin verzichtet.
Dabei kann den Verantwortlichen bestens aufgezeigt werden, mit welcher Planabweichung bis zum Ende des Jahres gerechnet werden muss. Dabei kann - wie schon bei der Planung - auf jeder beliebigen Verdichtungsebene ein Datenabgleich erfolgen. So können zum Beispiel bei Umsatzrückgang in bestimmten Verkaufsgebieten exakt die Kunden identifiziert werden, deren Ist-Zahlen deutlich unter den Plan-Zahlen liegen. Darauf aufbauend können dann entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.
4.5. Berichtswesen
Die in den CNT-Modulen enthaltenen Berichte wurden bei Nabaltec mittels Reporting-Generator verändert und um eigene Auswertungen ergänzt. Dabei wird insbesondere die Möglichkeit, Daten aus verschiedenen Modulen gemeinsam darzustellen und zu verknüpfen, gerne genutzt; den Verantwortlichen können so in einer Auswertung konzentriert alle relevanten Werte aufgezeigt werden.
Die Berichte wurden optisch so gestaltet, dass sie den im Rahmen dieser Ausführungen gezeigten Schemata entsprechen. Nach anfänglichen Hilfestellungen durch den Hersteller können nun Anpassungen im bestehenden und der Aufbau von neuen Berichten im Unternehmen selbst durchgeführt werden. An dieser Stelle hätte man sich eine etwas einfache Handhabung und damit verbundene kürzere Einarbeitung in den Reporting-Generator gewünscht.
Intensiv wird bei Nabaltec die Möglichkeit der Ausgabe von Berichten nach Excel genutzt. Die leichte Handhabung gestattet es auch anderen Nutzern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.
In Zukunft soll jeder Verantwortliche die für ihn bestimmten Auswertungen in einem Batch-Reporting direkt nach Lotus-Notes eingestellt bekommen. Damit wird automatisch sichergestellt, dass die Information beim Empfänger ankommt. Auf "Papier" kann dann weitgehend verzichtet werden.
5. Zusammenfassung
Mit der Einführung der Controlling-Software von CNT ist man bei Nabaltec der Zielvorstellung eines integrierten, mit einem durchgehenden Wertefluss ausgestatteten Controllingssystems einen großen Schritt nähergekommen. Die Erwartung, die beim Kauf der Software für die Entscheidung für CNT mit ausschlaggebend war, dass damit ein durchgehendes Konzept realisieren zu können, wurde in vollem Umfang erfüllt. Die heute noch bestehenden Lücken sind in der Organisation des Unternehmens begründet und werden zügig beseitigt.
Weiterhin hat auch überzeugt, dass sämtliche Be- und Verrechnungen im System so abgebildet werden konnten, wie es den Controllingskonzepten bei Nabaltec entspricht.
Ein weiteres starkes Argument für CNT ist die hervorragende Abbildung der Vertriebsstrukturen durch die Software. Damit kann insbesondere auch im Vertriebsbereich der Prozess der Führung durch die Zielvereinbarung bestens unterstützt und transparent umgesetzt werden.
Durch die Erweiterung um das Finanzcontrolling wird bei Nabaltec in naher Zukunft die Ebene der Kosten- und Leistungsrechnung um die Ebene der Planung von Zahlungsströmen ergänzt. Auch hierfür gilt, dass keine Daten zweimal erfasst oder vorgehalten werden müssen, sondern vielmehr eine komplette Integration zwischen diesen Ebenen stattfindet.
Autor
Prof. Dr. Claus Breit, Fachbereich Betriebswirtschaft,
FH-Rosenheim
Tel.: +49-8031-288074 eMail: breit@fh-rosenheim.de
Nabaltec AG
Günther Spitzer, Alustraße 50 – 52, 92421 Schwandorf
Tel.: +49-9431-53224 eMail: gspitzer@nabaltec.de
Internet: www.nabaltec.de
macs Software GmbH
Gerhard Blaas, Raiffeisenstrasse 8, 78658 Zimmern o.R.
Tel.: +49-741-942288-0 eMail: macs@macscontrolling.com
Internet: www.macscontrolling.com
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